Akzeptieren oder ändern?

Neulich hatten wir im Freundeskreis eine kontroverse Diskussion darüber, welche Art zu leben „die Bessere“ ist, weil sie ein glücklicheres Leben verspricht.

Auf der einen Seite gab es klare „Macher“ die kompromisslos nach der Devise „Jede(r) ist (seines)ihres Glückes Schmied“ leben. Sie sind sehr ehrgeizig, haben für jeden Lebensabschnitt(!) klare Ziele die sie konsequent verfolgen. Kleine und große Hürden werden gleichermaßen erfolgreich gemeistert und sie lassen sich durch (fast) nichts von ihrem Weg abbringen. 

Sie sind in ihrem Tun auch meist erfolgreich, wenn etwas schief läuft, dann wird auch das als „Erfolg“ verkauft, denn das Wort Versagen gibt es in ihrem Vokabular nicht.

Nach außen wirken sie zwar stark aber man spürt, dass sie unter enormen Druck stehen. Denn sie können oder wollen sich auch in der Zukunft keine Fehler erlauben. Alles soll so „perfekt“ weiterlaufen, wie bisher. Diesen Druck spürt leider häufig auch der Nachwuchs, der nicht immer so ehrgeizig ist wie die Eltern…


Andere wiederum kommen aus Familien, in denen der materielle Wohlstand keine so große Rolle mehr spielt. Denn bereits ihre Eltern haben der Leistungsgesellschaft den Rücken gekehrt, weil ihre ach so tollen Jobs sie nicht glücklich gemacht haben. Statt Luxusurlaub wurde mit einem alten Van Europa bereist, Second-Hand-Kleidung war okay und was im Überfluss vorhanden war wurde mit anderen geteilt.
Sie scheinen auch mit viel weniger glücklich zu sein, oder reden sie sich das etwa nur ein?

Jedenfalls spürt man bei ihnen, dass sie dem Leben viel mehr vertrauen. Sie entscheiden vieles Intuitiv und versuchen die Welt nicht auf Biegen und Brechen zu verändern. Ihre Kinder müssen kein Gymnasium besuchen, wenn sie kein großes Interesse an Mathematik und Sprachen haben. Sie unterstützen ihren Nachwuchs dabei, eigene Talente zu entdecken, auch auf die Gefahr hin, dass ihr späteres Einkommen gerade so für den Lebensunterhalt reichen wird. 
Arm aber glücklich?
Sie leben ein völlig anderes Leben, werden mitunter als Sonderlinge betrachtet und fühlen sich eigentlich nur unter Menschen wohl, die ähnliche Werte wie sie vertreten und einen ähnlichen Lebensstil führen. 

 

Welcher Weg ist der bessere?

Wu wei – einfach alles geschehen lassen oder alles selbst in die Hand nehmen?

Wäre es nicht manchmal besser, einfach daran zu glauben, dass das Leben es gut mit uns meint und dass wir auch ohne die Anstrengung, die viele von uns tagtäglich auf sich nehmen (alles perfekt machen zu wollen, alles zu optimieren) gut leben könnten?

Und was, wenn Manches doch vorherbestimmt ist und wir es trotz größter Mühe nicht ändern können? Früher war es Schicksal, wenn etwas Schlimmes passierte, heute ist man selbst schuld – welch eine Last, die da auf uns bürdet!

 

Jeder kennt den Spruch: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“  Reinhold Niebuhr 
 

Aber Hand aufs Herz, wie handhabt ihr das? 


 

Denk mal drüber nach… 


  • Welche Ziele möchtest du in Zukunft beharrlich (weiter)verfolgen? 


  • Was solltest du besser dem Strom des Lebens überlassen? 


  • Wie würde dein Leben heute aussehen, wenn du damals (du weißt genau wann ;-)) nicht eingegriffen hättest?